9. März 2009 - Zerstörerischen Brückenbau verhindern - Klaus von Krosigk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur

9. März 2009

Diese schöne Stadt Dresden

Im Rahmen der anhaltenden Diskussionen zur Bewahrung gefährdeter Kulturlandschaften, im städtischen wie auch im nicht städtischen Raum, ist mit nachhaltiger Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück vor Kurzem eine große internationale Tagung "Stadt - Kultur - Landschaft" veranstaltet worden.

Eines der intensiv in Osnabrück diskutierten Themen war die drohende Zerstörung einer der schönsten deutschen Kulturlandschaften, des Elbtales in Dresden, durch die vorgesehene Bebauung mit der geplanten Elbtalbrücke. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) sowie unserer über 2000 Mitglieder protestiere ich hiermit auf das Entschiedenste gegen den geplanten Brückenbau und die damit einhergehende massive Zerstörung des weltweit bekannten und ganz einzigartigen Elbtals. Dresden verbindet man heute nicht mehr nur mit der wieder aufgebauten Frauenkirche, dem Zwinger, der Semperoper oder dem Grünen Gewölbe. Man verbindet es leider inzwischen auch mit einer monströsen Brücke, deren Bau offenbar schon in vollem Gange ist.

Als die Unesco das Dresdner Elbtal im Jahre 2004 zur Welterbestätte erklärte, würdigte sie einen einzigartigen Zusammenklang von Stadt und Flusslandschaft. Tatsächlich lebt Dresden bis zum heutigen Tage davon, dass die Bauherren in der Vergangenheit die Lagegunst an einem mäandernden Fluss zu nutzen und damit die Stadt aus ihrer landschaftlichen Vielfalt heraus zu entwickeln wussten.

Dresden verdankt sein besonderes Flair nicht allein dem berühmten "Canaletto-Blick" und nicht nur seinen barocken Bauten. Die Stadt als Ganzes beeindruckt als Siedlungslandschaft am Fluss. Die Natur war hier so etwas wie eine "störrische Schöne". Eine vorbildhafte Baugesetzgebung, die außerhalb einer Kernzone nur offene Bauweisen zuließ und wichtige Sichtachsen bewahrte, hat im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert dafür gesorgt, dass Dresden den Charakter einer "Stadt im Grünen" annahm. Zudem konnte der Fluss einer Kanalisierung entgehen. Diese naturbelassene, sich bis in die Innenstadt hineinziehende Flussaue ist es, die Dresden zuallererst vor anderen Städten auszeichnet.

Erst vor diesem historischen Horizont wird das ganze Ausmaß der Zerstörung eines einzigartigen Landschaftsraumes durch ein aufwendig angebundenes, vierspuriges Brückenbauwerk deutlich, das seine Herkunft aus der Ära der autogerechten Stadt nicht verleugnen kann.

Herr Ministerpräsident und sehr geehrte Frau Orosz, lassen Sie nicht den guten Ruf Dresdens, aber auch der Bundesrepublik Deutschland als Kulturnation Schaden nehmen und versuchen Sie noch - wenn auch in letzter Minute - , den vorgesehenen monströsen und zerstörerischen Brückenbau zu verhindern.

Den Vorschlag der Stadt Dresden, erst eine Entscheidung der Unesco nach durchgeführtem Brückenbau abzuwarten, betrachte ich im übrigen als Schildbürgerstreich, und Sie werden auch verstehen, dass dieses das Unesco-Welterbekomitee in keinem Fall akzeptiert.

Klaus von Krosigk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL)