30. Mai 2007 - Volkwin Marg: „Offensichtliche Manipulation“ (Sächsische Zeitung)

Von Annette Binninger

Der frühere Leiter des Wettbewerbs für die Waldschlößchenbrücke, der Hamburger Star-Architekt Volkwin Marg, distanziert sich überraschend scharf von jeglicher Brückenlösung.

Er hat sie mit ausgesucht. Man könnte ihn einen der „Väter“ der Waldschlößchenbrücke nennen. Doch jetzt will Volkwin Marg von dieser Brücke nichts mehr wissen. Das wäre vielleicht noch nichts Außergewöhnliches. Doch Volkwin Marg, einer der Gründer des renommierten Hamburger Architekten-Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp), leitete vor knapp zehn Jahren den Architekten-Wettbewerb zur Waldschlößchenbrücke und kürte aus 27 Vorschlägen den aktuellen Wird-gebaut-wird-nicht-gebaut-wird-gebaut-Entwurf zum Sieger.

Heute aber empfiehlt der frühere Präsident des Bundes deutscher Architekten dringend einen Tunnelbau. Der Unesco-Welterbetitel für das Elbtal hat für ihn, den mehrfach ausgezeichneten Star-Architekten, die Situation völlig verändert. In einem sechsseitigen Offenen Brief an das Dresdner Rathaus spricht sich Marg, der unter anderem die Leipziger Neue Messe entwarf, entschieden gegen die Waldschlößchenbrücke aus.

Doch der 70-Jährige distanziert sich nicht nur von der damals auch von ihm ausgezeichneten Variante („kein besonders hochwertiges Ingenieursbauwerk“), sondern lässt auch kein gutes Haar an der damaligen Rathausspitze. Obwohl das städtische Verkehrskonzept von 1994 auch eine Tunnellösung offen gehalten habe, sei das Preisgericht durch die Vorgaben der Stadt zu einer „Kompromiss-Entscheidung“ für eine Brücke „genötigt“ worden, so Marg. Beim Bürgerentscheid 2005 sei die Tunnel-Möglichkeit schlicht unterschlagen worden. Marg nennt dies eine „offensichtliche Manipulation des Wunsches der Bürger nach besseren Verkehrsbedingungen zu einem Plebiszit für den Brückenbau“.

Einen von der Stadt kürzlich erbetenen Brücken-Entwurf, um den Welterbe-Titel noch zu retten, will Marg nicht einreichen. Die Stadt sollte die Bau-Vergabe aussetzen, empfiehlt er. Und: „Die Plausibilität der vorliegenden hochqualifizierten Tunnelgutachten“ dürfe „nicht länger unterschlagen oder gar diskriminiert“ werden. Ein Tunnel wäre relativ leicht realisierbar. Entwürfe, die sogar die Planung für die Brücken-Anbindung auf beiden Elbseiten unverändert ließe, hat Marg gleich nach Dresden mitgeliefert. Versehen mit einem fast flehenden Appell: „Es kann und darf nicht geschehen, dass ausgerechnet Dresden und Deutschland sich seines internationalen Kulturerbes nicht als würdig erweisen.“