3. Mai 2006 - Ist eine neue Brücke nötig? (Dresdner Neueste Nachrichten)
Die Waldschlößchenbrücke ist für eine Entlastung der Dresdner Innenstadtbrücken nicht mehr nötig. Das folgern die BündnisGrünen aus den Zählungen des Verkehrs im September der Jahre 2000, 2002, 2003 und 2005 im Vergleich mit der Prognose, die als Begründung für den Bau der umstrittenen Elbquerung herhalten muss.

Demnach ist der Belegungsrückgang auf der Augustusbrücke, der Carolabrücke und der Loschwitzer Brücke bereits jetzt schon höher als die berechnete Entlastung durch die Waldschlößchenquerung, erklärte Stephan Kühn, der verkehrspolitische Sprecher, gestern vor der Presse. Beispielsweise sei der Verkehr auf der Albertbrücke zwischen 2000 und 2005 um elf Prozent, auf der Loschwitzer Brücke sogar um 13 Prozent weniger geworden. "Und das trotz geringer Zunahme des Pkw-Bestandes und einer Zunahme der Attraktivität, mit dem Auto zu fahren", sagte der Sprecher der Grünen.

"Inzwischen entfalten die zahlreichen fertig gestellten Verkehrsbaumaßnahmen ihre Wirkung", gab Kühn einen Grund für diese Entwicklung an. Auch die Autobahn A17 trage ihren Teil zur Entlastung bei. Der gestiegene Kraftstoffpreis schrecke die Bürger zudem vom Fahren ab. Außerdem gebe es mehr Fahrradfahrer als früher.

Sogar die Reisegeschwindigkeiten hätten sich erhöht, so Kühn. Dazu müsse die demographische Entwicklung stärker beachtet werden. Es gebe immer mehr ältere Bürger in Dresden. Mit zunehmendem Alter ändere sich aber das Mobilitätsverhalten. Konkret: Es werde weniger Auto gefahren. Kühns Fazit: Die bestehenden Elbquerungen sind entlastet - bereits ohne die Waldschlößchenbrücke. Deshalb müsse - trotz Bürgerentscheid für den Bau - die Sachlage neu diskutiert werden, fordern die Grünen.

Die Stadt selbst konnte zu den Berechnungen und Folgerungen der BündnisGrünen keine Stellung nehmen. Der zuständige Mitarbeiter sei erst heute wieder da, hieß es gestern aus der Hauptabteilung Mobilität.

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