Chronik 2006 - Erstes Halbjahr
2. Januar 2006 - OB Roßberg brüskiert die UNESCO

In seinem Neujahrs-Interview mit der Sächsischen Zeitung brüskiert Oberbürgermeister Roßberg die UNESCO und beweist erneut seine Provinzialität. Roßberg zum Baubeginn der Waldschlößchenbrücke: „Ich sehe keinerlei Anlass, daran nicht festzuhalten. Es gibt meines Wissens keine Erkenntnisse aus Sicht der UNESCO sowie der Kultusministerkonferenz, die dem widersprächen.“ -

Längst ist Roßbergs Unverfrorenheit Gegenstand der bundesweiten Berichterstattung geworden...

2. Januar 2006 - Ausstellung "Der Blick auf Dresden"

Wir empfehlen die Ausstellung "Der Blick auf Dresden" im Lipsiusbau (Brühlsche Terrasse, unmittelbar neben der Hochschule für Bildende Künste). Gezeigt werden Darstellungen Dresdens und seiner Silhouette vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ein Besuch dieser Ausstellung scheint vor allem für einige Dresdner Politiker und Stadtplaner empfehlenswert, zeigt sie doch im Kontext der aktuellen Welterbe-Diskussion die historisch gewachsene Einbettung Dresdens in die Landschaft.

Geöffnet: Bis 1. Mai 2006; täglich von 10 bis 18 Uhr

3. Januar 2006 - UNESCO wertet Roßbergs Aussage als Affront

Auf die neuerliche Ignoranz des OB reagiert die deutsche UNESCO-Kommission mit ungeahnter Schärfe: „... das läßt Schlimmes erahnen.“ - Die Sächsische Zeitung stellt noch einmal die bisherige Entwicklung dar: „Dem Schwarzen Peter ist schwindelig“.

4. Januar 2006 - Das Welterbezentrum der UNESCO in Paris: Brücke ist nicht akzeptabel

Mit deutlichen Worten nimmt der Direktor des Welterbezentrums, Francesco Bandarin, Stellung: „Das Bauwerk beeinträchtigt die Landschaft an empfindlicher Stelle.“ Es müsse eine technische Alternative oder ein anderer Platz für die Brücke gefunden werden.

5. Januar 2006 - UNESCO-Vertreter: Brücke ist großer Eingriff

Offenhäußer, Sprecher der deutschen UNESCO-Kommission zu MDR-Info: Es sei davon auszugehen, daß die Welterbe-Kommission die Brücke als eine Gefährdung für das Elbtal ansehen werde. Schon allein wegen der Lage mitten im Welterbe und wegen der Größe müsse das Brückenbau-Projekt "als ein großer Eingriff gewertet" werden.

8. Januar 2006 - Dohnanyi wiederholt seine Kritik an der Waldschlößchenbrücke

MDR-Videotext berichtet am 8. Januar 2006: Der Ost-Wirtschaftsexperte der SPD Klaus von Dohnanyi hat die Verschwendung beim Aufbau Ost kritisiert. In der Zeitschrift „Super-Illu“ fordert er, Investitionen in den neuen Bundesländern strenger auf ihre wirtschaftliche Bedeutung zu prüfen. Die Infrastruktur sei schon gut ausgebaut.

Prestige-Projekte wie den Leipziger Citytunnel hält Dohnanyi für überflüssig. Die am Ende wahrscheinlich benötigten 700 Millionen Euro seien eine sinnlose Investition. Ähnliches gelte für die Dresdner Waldschlößchenbrücke.

10. Januar 2006 - Minister Buttolo kritisiert WOBA-Komplett-Verkauf

Der Sächsische Staatsminister für Inneres, Albrecht Buttolo, kritisiert in einem Interview mit der „WELT“ den vom OB geplanten Komplettverkauf der Dresdner WOBA. Buttolo gilt als ausgewiesener Experte für Wohnungswirtschaft. Als Staatssekretär war er mehr als zehn Jahre im Sächsischen Innenministerium dafür zuständig.

DIE WELT: Dann müßten Sie ja den Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft (WOBA) in Dresden höchst kritisch sehen? Buttolo: "Was ich für schlechthin unsinnig halte, das ist der Verkauf kompletter Unternehmen. Denn damit verliere ich eine wichtige Manövriermasse für die kommunale Daseinsvorsorge. Am Ende werde ich auf Strukturen sitzen bleiben, die nichts mehr mit der europäischen Stadt zu tun haben."

12. Januar 2006 - OB Roßberg verschiebt den Baubeginn der Waldschlößchenbrücke

Heute tagte das im Juli 2005 vom Stadtrat berufene Dresdner UNESCO-Kuratorium. Nach dreistündiger Diskussion wurde beschlossen: Die Stadt Dresden wird den bisher für Ende März 2006 geplanten Baubeginn der Brücke zunächst aufschieben. Ziel sei die Erhaltung des Status als "Welterbe", sagte der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Dr. Ingo Zimmermann, der zugleich Stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums ist. 

OB Roßberg hat nun die Aufgabe, den Streit mit der UNESCO beizulegen. Am 20. Januar trifft er sich mit dem Direktor des UNESCO-Welterbezentrums, Francesco Bandarin, in Paris. - Die Sächsische Zeitung frohlockt bereits: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“.

24. Januar 2006 - Auch der Landesverein Sächsischer Heimatschutz lehnt die Brücke ab

In einer Erklärung bezieht der Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. deutlich Stellung gegen den Bau der Waldschlößchenbrücke. Er korrigiert damit, nachdem das wirkliche Ausmaß der Bauten bekannt wurde, seine ursprüngliche Zustimmung zum Brückenbau. Insbesondere kritisiert er die gestalterische Ausbildung des Brückenbauwerks und dessen Wirkung in der Landschaft. Es wird ein anderer Brückenstandort oder die Tunnelvariante gefordert. -

Der Landesverein ist einer der ältesten deutschen Landschafts-, Naturschutz- und Denkmalschutzvereine. Er ist besonders durch seine hervorragenden Publikationen „Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutzverein“ („Grüne Hefte“; seit 1908) bekannt. - Zum Vorstand des Vereins gehören Prof. Dr. Blaschke, Prof. Dr. Hardtke und Prof. Dr. Magirius.

26. Januar 2006 - Ministerium: Geld steht auch für anderen Standort oder Tunnel zur Verfügung

In einem Gespräch mit den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ stellt das Sächsische Wirtschaftsministerium klar, daß die Fördermittel des Freistaates für die Elbquerung weder zeitlich befristet, noch an den Standort Waldschlößchen gebunden sind. Auch ein Tunnel könne damit finanziert werden.

14. März 2006 - Zur finanziellen Situation Dresdens nach dem WOBA-Verkauf

Dresden hat offenbar mehr Schulden als bisher angenommen. Dennoch hat Dresden nach dem WOBA-Verkauf genügend finanziellen Spielraum, eventuelle zusätzliche Kosten einer Tunnellösung zu tragen, wenn tatsächlich eine Querung am Waldschlößchen erforderlich wäre.

Nach dem Verkauf der WOBA stellt sich die Situation wie folgt dar: Der WOBA-Verkauf erbrachte einen Erlös von 1,74 Milliarden Euro. Nach der Tilgung der WOBA-Verbindlichkeiten bleiben der Stadt 982 Millionen Euro Reinerlös. Davon hat Dresden Schulden zu tilgen (741 Millionen) und weitere Kreditermächtigungen (73,4 Millionen) abzulösen. Außerdem waren für Bauprojekte bereits Kredite (40 Millionen) geplant, die jetzt nicht aufgenommen werden. Weiterhin gibt es „Innere Darlehen“ (65 Millionen) zu begleichen. - Damit verbleiben 62,7 Millionen Euro „verfügbar“. - Dresden hätte alle Verbindlichkeiten gezahlt, ca. 60 Millionen verfügbar und spart in Zukunft die Zinsen für die bisherigen Kredite (jährlich etwa 75 Millionen).

22. März 2006 - Von der angeblichen Notwendigkeit des Verkehrszugs ist keine Rede mehr

In einem ausführlichen Interview mit den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ nimmt Dr. Brauns, CDU, als Vertreter der Brückenbefürworter Stellung zum Bau der Verkehrstrasse. Von einer verkehrlichen Notwendigkeit der Trasse ist keine dabei Rede mehr. - Ebenso wird Prof. Blobel, Fürsprecher für den Erhalt des Welterbetitels, befragt. - Anlaß der Interviews ist der ursprünglich für heute geplante Baubeginn.

Ein Bonmot am Rande: Die Stadtverwaltung war nicht bereit, den „DNN“ eine Visualisierung des geplanten Bauwerks zur Verfügung zu stellen; die Zeitung hat daraufhin eine CAD-Darstellung der GRÜNEN LIGA veröffentlicht.

27. März 2006 - OB Roßberg stellt eigene Visualisierung vor - DNN: „Fauler Zauber“

Dem unabhängigen Visualisierungsgutachten zur Waldschlößchenbrücke von Prof. Wachten, Aachen, wollte Roßberg offenbar zuvor kommen. Er verzögerte die Vorstellung des Aachener Gutachtens, weil er eine eigene Visualisierung in Auftrag gegeben hatte. Diese wurde jetzt vorgestellt; überzeugen konnte Roßberg damit jedoch nicht. 

Unterdessen wartet das UNESCO-Welterbe-Zentrum auf Roßbergs Stellungnahme zum unabhängigen Aachener Gutachten und zeigt sich verwundert über sein Agieren. -

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Bitte lesen Sie auch den Kommentar des Chefradakteurs der „Dresdner Neuesten Nachrichten“, Dirk Birgel, vom 1. April 2006:

„Plant Ingolf Rossberg schon für die Zeit danach, für eine zweie Karriere? Man weiß es nicht genau. Jedenfalls nährte sich der OB diesem Verdacht, als er bei der Präsentation einer Visualisierung der Waldschlößchenbrücke kurzerhand zum Obermagier mutierte. Vorhang auf für Ingolf Copperfield!

Von dem berühmten englischen Meister der Illusion weiß man, dass er Claudia Schiffer einst verzauberte und Züge in Luft auflösen kann. Mit Top-Models hat es Rossberg, soweit bekannt, nicht so. Aber dafür kann er ganze Brücken verschwinden lassen. Als er die Bilder des virtuellen Stadtmodells aus dem Hut zauberte, fragte man sich: Wo ist sie denn, die Waldschlößchenbrücke? Sie ist ja gar nicht da. Genau das zeichnet den perfekten Magier aus: Die perfekte Illusion.

Nur war es leider fauler Zauber, was Rossberg da als „zentimetergenau“ und „unbestechlich“ pries. Niemand wollte ihm so richtig abnehmen, wie haltlos sich das Bauwerk ins Weltkulturerbe einfügt. So ging der Trick leider in die Hose. Vielleicht war der Zauberstab zu klein, womöglich hat sich auch eine winzige Ungenauigkeit in die Zauberformel geschlichen. Am Ende applaudierten nur Stadtrat Jürgen Eckhold und Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (beide CDU) begeistert wie Kinder, denen man jeden Mumpitz als große Show verkaufen kann.

Andere fragten eher verwundert, warum Roßberg die Brücke nicht gleich vom Blauem Wunder oder von Pirna aus visualisieren ließ. Da wären sie ganz weg gewesen. So geriet die Bildauswahl zum Taschenspielertrick. Und das kommt bei der Unesco nicht gut an. Roßberg sollte sich fragen, ob er mit derlei Firlefanz die hohen Herrschaften in Paris nicht vielleicht verprellt. Denn die entscheiden letztlich darüber, ob Dresden beides haben darf: Brücke und Welterbetitel. Somit sitzen sie am längeren Hebel. ...“

31. März 2006 - Mehr als 350 Berliner Prominente gegen die Waldschlößchenbrücke

Einem Appell, die Waldschlößchenbrücke nicht zu bauen, folgten bisher mehr als 350 Vertreter des öffentlichen Lebens. Der Appell wurde von Prof. Kreibich, einem gebürtigen Dresdner, initiiert und dem Deutschen Außenminister, dem Sächsischen Ministerpräsidenten, dem Dresdner Oberbürgermeister, den Dresdner Stadtratsfraktionen und der UNESCO übersandt. Zu den Unterzeichnern gehören Prof. Hartmut Jäckel, Prof. Jens Reich und Wolfgang Thierse.

6. April 2006 - Roßberg desavouiert das Dresdner Welterbe-Kuratorium

Im Februar 2006 hat die Deutsche UNESCO-Kommission nach einem internen Auswahlverfahren dem Aachener Hochschullehrer Prof. Wachten den Auftrag zu einem unabhängigen Gutachten zur Waldschlößchenbrücke erteilt. Die Aufgaben waren die Erstellung einer Visualisierung (Graphische Darstellung der Bauwerke in der Landschaft) und einer Bewertung der Auswirkungen der Bauwerke auf das Stadt- und Landschaftsbild im Elbtal. Das Aachener Gutachten wurde im März 2006 der Stadtverwaltung Dresden übergeben.

Nach Verzögerungen durch den Oberbürgermeister, der zunächst seine eigene Visualisierung vorstellen wollte (s. 27. März 2006), wurde nun die Aachener Visualisierung der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bewertung wurde allerdings nicht veröffentlicht.

Selbst dem Dresdner UNESCO-Kuratorium verweigerte der Oberbürgermeister heute die Einsicht in den Bewertungsteil des Gutachtens; es sei bereits nach Paris abgeschickt. (Man fragt sich, was das Kuratorium zu leisten gedenkt, wenn es sich das bieten läßt... ) -

Inzwischen wurde bekannt, daß die Bewertung der Brückenbauwerke negativ (im Sinne der Brückenbefürworter) ausgegangen ist.

7. April 2006 - Wolfgang Thierse: „Dieser Blick gehört der ganzen Welt“

In einem Interview mit den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ tritt Wolfgang Thierse, Vize-Bundestagspräsident und Dresden- Kenner, den Vorwürfen der Dresdner CDU entgegen. Diese hatte der Berliner Initiative, die sich gegen die Waldschlößchenbrücke ausgesprochen hatte und zu der auch Thierse gehört, unzulässige Einmischung vorgeworfen; der Bau der Brücke sei alleinige Angelegenheit der Dresdner. Dem hält Thierse entgegen, daß mit der Verleihung des Welterbetitels das Elbtal nunmehr unter Obhut der Weltgemeinschaft stehe. - Wir möchten ergänzen: Auch ohne den Welterbe-Titel gehört das Elbtal zu den Weltkulturgütern und ist daher zu bewahren.

Die „Sächsische Zeitung“ berichtet inzwischen von einem Brief des Dresdner CDU-Landtagsabgeordneten Lars Rohwer an Wolfgang Thierse. Darin kritisiert Rohwer offenbar dessen Demokratieverständnis (SZ, 8. April 2006). - Wir dokumentieren hier außerdem das Schreiben eines Bürgers an Rohwer, in dem der Verfasser daran erinnert, daß immer dann von „Einmischung“ gesprochen wird, wenn Unangenehmes zur Sprache kommt.

28. April 2006 - Unabhängiges Gutachten: Brücke schädigt Welterbe irreversibel

Ein Gutachten der Technischen Hochschule Aachen, erstellt im Auftrag der UNESCO, liegt OB Roßberg bereits seit sechs Wochen vor. Nun erst - nachdem Stadträte vehement die Einsichtnahme gefordert hatten - wurde es der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

In dem 119-seitigen Gutachten wird zunächst der Standort der geplanten Brücke im Elbbogen und dessen Bedeutung für den Welterbetitel vorgestellt, es wird der Vergleich zu anderen Dresdner Elbbrücken gezogen und die Wirkung der geplanten Brücke auf die Landschaftssituation beurteilt. Auch die angeblich seit 140 Jahren bestehende Absicht, am Waldschlößchen eine Brücke zu bauen, wird analysiert. Die Technische Hochschule Aachen kommt dann zu einem - für die Brückenbefürworter - erschütternden Ergebnis: Weltkulturerbe und Brückenbau sind unvereinbar. - Damit werden die Bedenken, die auch die GRÜNE LIGA bereits in ihrer Einwendung im April 2003 vorgetragen hatte, wissenschaftlich belegt.

Trotz des vernichtenden Ergebnisses des Gutachtens hält die Stadtverwaltung - allen voran OB Roßberg - offenbar am Brückenbau fest. In Kenntnis der Aachener Bewertung hat die Stadtverwaltung eine eigene Broschüre erstellt, in der die Aussage getroffen wird, Welterbe und Brücke seien doch vereinbar.

Es wird nun auf das Handeln der UNESCO, des Dresdner UNESCO-Kuratoriums, des Auswärtigen Amtes, der Sächsischen Staatsregierung, des Dresdner Stadtrates und auch der Dresdner Bürger ankommen, ob die Brücke tatsächlich gebaut wird und Dresden damit den Welterbetitel verliert.

3. Mai 2006 - Neue Verkehrszahlen belegen: Keine neue Brücke notwendig

Die Ergebnisse der städtischen Verkehrszählungen 2005 in Dresden belegen, daß die Verkehrsentlastungen auf den vorhandenen Brücken heute bereits so groß sind, wie man es durch den Bau der Waldschlößchenbrücke erreichen wollte. D. h., die Verkehrsbelegung der vorhandenen Brücken ist schon jetzt so als ob die Brücke bereits gebaut wäre.

9. Mai 2006 - OB Roßberg besteht weiterhin auf Brückenbau

Im aktuellen Interview mit der „Sächsischen Zeitung“ bekräftigt der Oberbürgermeister seine unveränderte Position: „Alles richtig gemacht“ - Am 10. Mai faßt die „Sächsische Zeitung“ aus ihrer Sicht die Situation nach dem Aachener Gutachten nochmals zusammen: „Experten werten die Brücke als Risiko für den Welterbe-Titel.“

10. Mai 2006 - OB Roßberg auf der Anklagebank; u. a. wegen Vorteilsnahme

Nach vielen Monaten der Prozeßvorbereitung hat das Landgericht Dresden heute das Strafverfahren gegen OB Roßberg wegen Beihilfe zu vorsätzlichem Bankrott, Untreue und Vorteilsnahme eröffnet. Er läßt ab sofort bis zum Ende des Verfahrens die Amtsgeschäfte als Bürgermeister ruhen. - Wir bedauern seinen Abgang nicht. Er hatte mehr als ein Mal alle demokratischen Spielregeln verletzt.

12. Mai 2006 - Biedenkopf fährt zum Welterbezentrum in Paris

Nachdem OB Roßberg sich wegen seiner Strafverfahren in Zwangsurlaub befindet, wird er bei den Gesprächen mit dem Welterbezentrum in Paris nun vom ehemaligen Ministerpräsidenten Biedenkopf vertreten. Der Pensionär Biedenkopf reist am 24. Mai nach Paris, gemeinsam mit Baubürgermeister Feßenmayr und dem ehemaligen Landeskonservator Glaser. - Zur Erinnerung: Die Regierung Biedenkopf hatte massiv auf die städtische Planung Einfluß genommen: „Die Waldschlößchenbrücke oder keine!“ Damals lag jedoch noch kein Gutachten vor, das bescheinigt, daß eine Brücke an dieser Stelle das Welterbe irreversibel beschädigt.

UNESCO-Gutachten: www.elbwiesen-erhalten.de/pdf/0604gutachten.pdf, 3 MB)

Zusammenfassung: www.elbwiesen-erhalten.de/artikel/20060503_gutachten.html

16. Mai 2006 - OB Roßberg wird vom Dienst suspendiert

Das Regierungspräsidium Dresden, das die kommunale Aufsicht über die Stadt Dresden ausübt, hat den Oberbürgermeister vom Dienst suspendiert. Damit unterstreicht das Regierungspräsidium den Ernst der Lage.

24. Mai 2006 - Dresdner Brückenbefürworter heute in Paris

Heute fand in Paris ein Treffen des Direktors des Welterbezentrums, Francesco Bandarin, mit den Brückenbefürwortern Baubürgermeister Feßenmayr, dem ehemaligen Ministerpräsident Biedenkopf und dem ehemaligen Landeskonservator Glaser statt (s. 12. Mai 2006). - Die Ergebnisse dieses Treffens waren nicht zu erfahren. 

Werden die Inhalte solcher offiziellen Beratungen, die immerhin den Bestand des Welterbetitels für Dresden betreffen, eigentlich dem dafür eingerichteten Dresdener Gremium vorgetragen?

23. Juni 2006 - Nun auch Unterstützung aus München gegen die Brücke

Nach dem Berliner Appell gegen die Waldschlößchenbrücke (s. 31. März 2006) haben sich nun auch 160 Münchner gegen die Brücke ausgesprochen. Unter ihnen Professor Stephan Braunfels, Architekt der Neuen Pinakothek München, Professor Enno Burmeister, Architekturhistoriker, und Andreas Distler, Ministerialrat a.D. Ihren Appell richten Sie an die UNESCO, die Bundesregierung Deutschland, die Landesregierung Sachsen und den Dresdner Stadtrat.

24. Juni 2006 - Sächsische Akademie der Künste: Gegen die Brücke

In einer erneuten ausführlichen Stellungnahme spricht sich die Klasse Baukunst der Akademie der Künste - gleichgültig ob das Dresdner Elbtal den Status des Wertkulturerbes der UNESCO behält oder nicht - gegen den Bau der Waldschlößchenbrücke aus. Auch auf den Bürgerentscheid wird Bezug genommen; die Stadt Dresden sei auch nicht unter Zeitdruck. - Eine erste diesbezügliche Stellungnahme war von der Klasse Baukunst bereits 2004 getroffen worden. -

Die Klasse Baukunst versammelt namhafte weltweit tätige Architekten und Historiker wie Günter Behnisch, Wolfgang Kil und Joachim Schürmann.