Chronik 2005
27. Januar 2005 - Brückenexperte: "Blaues Wunder" ist zu retten.

Am 27. Januar fand eine Veranstaltung der Bürgerinitiative Blasewitz über die Möglichkeiten statt, das Blaue Wunder zu erhalten. Eingeladen war der Brückenfachmann Dr. Eberhard Katzschner. Dr. Katzschner hatte im Jahr 1998 im Auftrag des Straßen- und Tiefbauamtes zusammen mit dem Ing.- Büro GMG Dresden ein Gutachten zur Belastbarkeit des Blauen Wunders erstellt.

Katzschner machte deutlich, daß ein Erhalt des Blauen Wunders auch nach 2030 möglich ist. Er präsentierte das sogenannte "Brücke-in-Brücke-Konzept", bei dem ein zweites Tragwerk in das Blaue Wunder eingefügt würde und somit eine zukünftige dauerhafte Nutzung gewährleistet wäre. Inklusive einer provisorischen Brücke (während der Bauzeit) würden die Kosten für diese Lösung einen Bruchteil der Kosten des Baus der Waldschlößchenbrücke ausmachen.

4. Februar 2005 - Unterstützung von über 140 Prominenten

Den Aufruf gegen die Waldschlößchenbrücke unterstützen inzwischen über 120 Prominente und ungezählte Bürger und Liebhaber der Stadt Dresden. Zu den Unterstützern gehören Pfarrer, Universitätsprofessoren, Architekten, Verkehrsplaner, ehemalige Bürgermeister von Dresden und viele mehr.

17. Februar 2005 - Mehr Geld für die Erhaltung des Bestands, weniger Größenwahn

Die Brückengegner im Stadtrat präsentierten ihre Vorstellungen, was mit dem Geld, welches man beim Verzicht auf die Waldschlößchenbrücke einsparen will, geschehen soll.

Das Theater der Jungen Generation, Bibliotheken, Kitas und Schulen sollen von den eingesparten Millionen profitieren. Besondere Wichtigkeit bei der Kita-Sanierung wird dem Brandschutz beigemessen. Schließlich stehen hier wichtige Baumaßnahmen schon seit Jahren im Verzug.

25. Februar 2005 - Woher wird das Geld für die Brücke genommen?

Die Sächsische Zeitung titelt "Sachsen muss Sparkurs verschärfen". Das Land Sachsen, das seit Jahren einen rigiden Sparkurs fährt, will diesen weiter verschärfen.

Somit sollen 15.000 beim Land Beschäftigte entlassen werden. Natürlich wird auch die Bildung nicht verschont bleiben: 7.500 Lehrer sollen in Sachsen entlassen werden. Auch der Jugendhilfe werden 20 % der Zuschüsse gekürzt, was nicht ohne Auswikrungen auf soziale Brennpunkte bleiben wird. -

Obwohl die städtischen Wohnungen der Stadt Dresden jährlich Einnahmen in Höhe von 9 Millionen Euro bringen, will die Stadt diese nun komplett verkaufen. Die WOBA-Wohnungen sollen, um die Stadt finanziell kurzfristig handlungsfähig zu machen, unter Wert verkauft werden.

27. Februar 2005 - Bürgerentscheid zur Waldschlößchenbrücke

Heute fand - nach wochenlangem "Wahlkampf" - der Bürgerentscheid zur Waldschlößchenbrücke statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent haben beim Bürgerentscheid 68 Prozent der Wahlteilnehmer mit "Ja" für das Bauprojekt gestimmt.

Dieses Ergebnis macht die Waldschlößchenbrücke jedoch in keiner Weise besser. Denn sie bringt auch nach dem Bürgerentscheid nicht die versprochene Entlastung der Innenstadt; der Verkehrszug bleibt zu teuer und stadtzerstörend. Auch die umweltpolitischen Bedenken bleiben bestehen; Planungsfehler und Grenzwertüberschreitungen sind ebenfalls nicht behoben.

Das Ergebnis des Bürgerentscheides zwingt die Brückenbauer nun, mit offenen Karten zu spielen und ehrlich zu sagen, an welchen Stellen sie in der Stadt Leistungen kürzen wollen. Sicher ist: es wird kein Bereich, außer dem des Straßenneubaus, vor massiven Einschnitten verschont bleiben.

7. Mai 2005 - Stadt fürchtet Schadenersatzklagen wegen der Schlaglöcher

Die Stadt fürchtet die Zahlung von Schadenersatzansprüchen an Autofahrer, nachdem über Jahre einseitig die Prioritäten in den Neubau von Straßen, die Planung einer überteuerten Brücke und nicht auf eine kostensparendere Sanierung des Bestandes gesetzt wurde. Damit rechnet die Stadt wegen der offenbar falschen Prioritätensetzung der Politik schon fest mit der Entschädigung von Autofahrern. Dies geht aus einer Anfrage im Stadtrat hervor. Demnach ist seit 1996 der Sanierungsbedarf nicht gesunken, er hat sich vielmehr erhöht.

4. November 2005 - Dem UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal droht die Aberkennung

Dem Dresdner Elbtal droht die Aberkennung des Welterbe-Status. Wie deutsche und internationale Medien in mehr als 40 Beiträgen berichten, äußerte die UNESCO Unbehagen im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Waldschlößchenbrücke, dessen Folgen für das Welterbe-Gebiet die Stadt in ihrer Antragstellung nicht genügend deutlich gemacht habe. -

Wir meinen: Die Stadt sollte sich dringend Gedanken zu machen, ob ihr ein Prestigeprojekt wichtiger erscheint als Lebensqualität, die durch das Prädikat "Welterbe der Menschheit" gewürdigt wird und darüber hinaus einen bedeutenden wirtschaftlichen und touristischen Gewinn darstellt. Noch ist es nicht zu spät, sich auf Werte wie Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Sparsamkeit zurückzubesinnen.

8. November 2005 - Der UNESCO lag eine fehlerhafte Lagebeschreibung der Brücke vor

Der Evaluierungsbericht, der für die UNESCO zur Vorbereitung der Prädikatvergabe angefertigt wurde, hat bei der Beschreibung der Dresdner Baupläne einen groben Fehler: Die Lage der Waldschlößchenbrücke ist dort mit "5 Kilometer flussabwärts vom Zentrum" beschrieben. - Dresden könnte demnach eine Brücke bauen, etwa in der Höhe von Dresden-Übigau, nicht aber am Waldschlößchen.


Dokumentation: Aus dem (fehlerhaften) Evaluierungsbericht 2003 

Wir dokumentieren aus dem offiziellen Evaluierungsbericht des Antragsverfahrens für das UNESCO- Welterbe „Dresdner Elbtal“ die Ausschnitte, die die Waldschlößchenbrücke betreffen:

Seite 86:
"The entire landscape area is included in the territorial land- use plan (FNP) of the Capital of Saxony. This plan is legally binding, and takes into account the significance and values of the protected area. All sensitive zones have special protection plans, including meadows, vineyards, and villa areas. No traffic arteries are planned in this area, though there is the possibility for new bridges. In addition to the general master plan, there are detailed, legally binding plans and regulations for specified areas (by- plans). There are also development and engineering plans."

Seite 87:
"The construction of a new bridge is foreseen 5 km down the river from the centre. Its design results from an international competition. The profile has been kept slender and low in order to reduce impact on landscape."

Deutsche Übersetzung:

Seite 86:
Die gesamte Landschaft ist in den Flächennutzungsplan der sächsischen Hauptstadt eingebunden. Dieser Plan ist rechtlich bindend und berücksichtigt die Bedeutung und den Wert des geschützten Gebiets. Alle sensiblen Gebiete haben eigene Erhaltungssatzungen, Wiesen, Weinberge und Villengebiete eingeschlossen. Es sind keine Verkehrsadern in diesem Gebiet geplant, bis auf die Möglichkeit der Errichtung neuer Brückenbauwerke. Zusätzlich zum Bebauungsplan gibt es gesetzlich bindende Pläne und Regelungen in einzelnen Gebieten. Außerdem gibt es Entwicklungspläne und Bauausführungspläne.

Seite 87:
Der Bau einer neuen Brücke ist 5 km flußabwärts des Stadtzentrums vorgesehen. Deren Gestaltung ist Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs. Die Gestalt wurde schlank und niedrig gehalten, um den Einfluß auf die Landschaft zu minimieren.  --

Der Originaltext des Evaluierungsberichtes über Dresden ist auf einem Server des Welterbe-Kommitees nachzulesen: http://whc.unesco.org/archive/advisory_body_evaluation/1156.pdf

10. November 2005 - Weiss und von Dohnanyi sprechen sich gegen die Waldschlößchenbrücke aus

In einer Stellungnahme fordert die Kulturstaatsministerin Weiss einen verantwortungsvolleren Umgang mit den UNESCO- Weltkulturerbestätten in Deutschland. Deutschland könne es sich nicht leisten, dass nach dem Kölner Dom ein weiteres Denkmal auf die Rote Liste der UNESCO gerät und nennt als weitere brisante Beispiele die Wartburg und das Dresdner Elbtal.

Klaus von Dohnanyi, der ehemalige Ost-Berater der Bundesregierung, bei einer Veranstaltung einer Wirtschaftskanzlei in Dresden: „In solchen Zeiten darf man eine 156 Millionen Euro teure Waldschlößchenbrücke in Dresden nicht bauen.“

4. Dezember 2005 - Offenhäuser, Deutsche UNESCO-Kommission, aüßert sich erneut in der ARD

In einem weiteren Bericht der ARD, im „Kulturreport“ am 4. Dezember 2005, äußert sich Dieter Offenhäusser, Stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, erneut zum Thema „Waldschlößchenbrücke in Dresden“:

„Das Welterbekomitee der UNESCO wird nicht danach fragen, welche Druckfehler hat es in dem Gutachten gegeben, sondern das Welterbekomitee wird ganz frei entscheiden, ist das, was dort geplant ist, eine Gefährdung für das Welterbe, mindert das den Wert des Welterbes Dresdner Elbtal oder nicht, und wird danach seine Entscheidung fällen. Die Welterbekommission ist - nicht mehr, aber auch nicht weniger - eine Art „Sicherheitsrat“ des internationalen Denkmalschutzes. Was die Kommission sagt, ist verbindlich.“

9. Dezember 2005 - Zweite Anklage gegen OB Roßberg: Wegen Verdacht auf Korruption

Zu der bisher erhobenen Anklage gegen den Oberbürgermeister der Stadt Dresden, Herrn Roßberg, wegen Beihilfe zur Untreue gesellt sich nun eine zweite Anklage der Staatsanwaltschaft: wegen des Verdachts auf Korruption.