Stand: 11. Mai 2006
Presseschau

Sächsische Zeitung
Mittwoch, 3. Mai 2006

Brücke neu ausschreiben?

Von Petra-Alexandra Buhl

Debatte. Die Grünen und die Bundeskammer der Architekten machen mobil gegen die Waldschlößchenbrücke.
Eine klare, einstimmige Absage erteilt die Bundesarchitektenkammer in Berlin dem Entwurf der Waldschlößchenbrücke. Das 23-köpfige Präsidium, das 12 0 000 Architekten vertritt, schließt sich dem kritischen Gutachten der Technischen Hochschule in Aachen an.

Ein weiterer Wettbewerb

„Wir gehören nicht zu denen, für die Weltkulturerbe Käseglocke oder Museum heißt“, sagt der Bundesgeschäftsführer Tillman Prinz. Brückenbau und Weltkulturerbe seien kein Widerspruch, beides sei möglich. „Dieses Stahlgerüst vor der Silhouette Dresdens können wir uns aber nicht vorstellen“, so Prinz.

Sowohl die Landschaftsarchitekten als auch die Tiefbauarchitekten in der Kammer hätten den Entwurf als „dramatisch schlecht“ eingeschätzt. Die Kammer führe nun Gespräche mit der Stadt und dem Freistaat. Ziel sei, beide davon zu überzeugen, dass „ein bundesweiter, gut vorbereiteter, qualifizierter Wettbewerb zur Waldschlößchenbrücke“ neu ausgeschrieben wird. Darin sollten Vorgaben und Kritik der Unesco berücksichtigt werden. Für die Planung der Waldschlößchenbrücke hat Dresden bereits 13 Millionen Euro ausgegeben. Der erste Wettbewerb 1997 kostete bereits 300 000 Mark.

Bündnis 90/Die Grünen legten gestern Zahlen vor, die belegen sollen, dass die Waldschlößchenbrücke gar nicht gebaut werden muss. Der verkehrspolitische Sprecher Stephan Kühn sagte, die Auslastungszahlen der Augustusbrücke, der Carolabrücke und der Loschwitzer Brücke seien so stark zurückgegangen, dass die entlastende Wirkung, die der Waldschlößchenbrücke zugeschrieben werde, bereits erreicht sei. Seit September sei dies der Stadtverwaltung bekannt. Zu jenem Zeitpunkt habe die Unesco erstmals Bedenken geäußert. Durch die demografische Entwicklung, die höheren Kraftstoffpreise und mehr Radfahrer in der Stadt sinke das Verkehrsaufkommen weiter. Die Brückenbefürworter müssten nun Alternativen vorlegen, mit denen das Weltkulturerbe erhalten wird, fordert Kühn.

Noch lange nicht überflüssig

Diese Zahlen kennen auch die Brücken-Befürworter. „Das macht die Waldschlößchenbrücke aber noch lange nicht überflüssig“, sagt Helfried Reuther (CDU). Wer etwas anderes als den derzeitigen Entwurf wolle, brauche einen Bürgerentscheid. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Stadtrat wäre dafür notwendig oder mindestens 60 000 Unterschriften von Bürgern.

Die nächste Brückendebatte deutet sich unterdesssen schon an: 25 Jahre soll das Blaue Wunder bei guter Pflege und Wartung laut Reinhard Koettnitz vom Tiefbauamt noch benutzt werden können. Dafür gibt die Stadt jährlich um die 134 000 Euro aus. Alle Ankerkammern seien inzwischen erneuert, der Stahl sei noch in Ordnung. Bald müsse allerdings das Scheitelgelenk ausgetauscht werden. „Weil in Dresden Brückendiskussionen ja sehr lange dauern, sollten wir uns bald Gedanken machen, wie es dort weitergeht“, so Koettnitz – und nebenbei das Blue Wunder pflegen, damit es noch lange durchhält.

 

-----------------------

Anmerkung: In dieser Ansicht ist die Länge der geplanten Hochstraße über den Elbauen auf der rechtselbischen Seite gut erkennbar. Auf der linkselbischen Seite hätte die Hochstraße nochmals die gleiche Länge. - Rechts oben die Einfahrt auf der Neustädter Elbseite.