Stand: 3. Mai 2006
Presseschau

Auszüge aus dem „Gutachten zu den visuellen Auswirkungen des „Verkehrszugs Waldschlößchenbrücke“ auf das UNESCO-Welterbe „Dresdner Elbtal“, Technische Hochschule Aachen, 18.03.2006.

Aus den Schlussfolgerungen der Gutachter:

„1. Die Waldschlösschenbrücke reiht sich nicht in die Kette der Dresdner Stadtbrücken ein.

Sie ist in ihren Dimensionen und Maßstäben, in ihrer gestalterischen Anmutung und technischen Ausstattung ein "Sonderling" in der Reihe der Dresdner Brücken innerhalb des Weltkulturerbe-Gebietes. Es sind aber insbesondere auch die Tunnelfortsetzung und die "planfrei" organisierten Verkehrsanschlüsse an den Brückenköpfen mit ihrem technischen Equipment, die dem "Verkehrszugs Waldschlösschenbrücke" den Schnellstraßencharakter geben. Es ist deshalb fast absehbar, dass die Waldschlösschenbrücke nicht die Qualitäten entfaltet, die mit Brücken verbunden sein können und die die Kultur der Dresdner Stadtbrücken ausmachen.

2. Die Waldschlösschenbrücke verstellt einige in der Geschichte wie im heutigen Stadtalltag wichtige Blickbeziehungen auf die Silhouette Dresdens wie auf das Elbtal.

Aufgrund der großen Entfernungen im Bereich des Elbbogens, aber auch begünstigt durch das diffuse Winterlicht und die geringe Fernsicht, tritt von einigen untersuchten Standpunkten die Waldschlösschenbrücke nicht blickstörend in Erscheinung. Es gibt aber einige wichtige Blickpunkte, die in der Geschichte gestalterisch "in Szene gesetzt" wurden und zu den Besonderheiten dieser Kulturlandschaft gehören. Dazu gehören insbesondere die Stationen entlang der Talwege auf beiden Seiten des Elbbogens, die eine sequenzielle Wahrnehmung des Landschaftsraumes mit einem grandiosen Landschaftserlebnis heute zulassen, das künftig erheblich eingeschränkt würde.

Entscheidend für die zusammenfassende Stellungnahme ist jedoch aus Gutachtersicht eine weitere Feststellung:

3. Die Waldschlösschenbrücke zerschneidet den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle und teilt ihn irreversibel in zwei Hälften.

Der reale Blick und das unmittelbare Erlebnis sowie das Studium aktueller Luftbilder und historischer Kartenwerke machen die Besonderheit des Elbbogens mit den Elbwiesen zwischen Albertbrücke und Loschwitzer Brücke deutlich. Auch vergleichende Betrachtungen der innerstädtischen Flusslandschaften in anderen europäischen Großstädten belegen die Einzigartigkeit und den besonderen Wert dieser zusammenhängenden Kulturlandschaft. In Höhe des Waldschlösschens sind die breitesten örtlichen Aufweitungen der Elbwiesen und zugleich der Scheitelpunkt des Elbbogens, die Mitte zwischen der Altstadt und Loschwitz. Genau an dieser Stelle, am Scheitelpunkt des Bogens, entstünde durch die Waldschlösschenbrücke eine Zerschneidung dieser Wahrnehmung des Landschaftsbildes, eine Separierung in zwei annähernd gleichgroße Landschaftsräume, deren visuelle Addition nicht mehr möglich wäre. Das Weitegefühl wäre zerstört und langfristig verloren. Dies würde dieses besondere Landschaftserlebnis zunichte machen.

Aus diesen Erwägungen lässt sich gutachterlich zunächst nur die Schlussfolgerung ziehen, dass die visuellen Auswirkungen der projektierten Waldschlösschenbrücke gravierend sind.

Unter Berücksichtigung der eingegrenzten Fragestellung muss man sogar zu dem Ergebnis kommen, dass der Bau der Brücke an dieser Stelle eine irreversible Schädigung der besonderen Qualitäten des Elbtals wäre.“

Das vollständige Gutachten zu den Auswirkungen der WSB, RWTH Aachen, 15. März 2006 (pdf, 3539 kB)