Stand: 8. März 2006
Presseschau

Sächsische Zeitung, Donnerstag, 10. November 2005

Brücke statt Welterbe?

Von Thilo Alexe

Waldschlößchen. Sollen die Dresdner erneut über die Brücke abstimmen? Die Forderung steht bereits im Raum.

Die Debatte um die Waldschlößchenbrücke gewinnt weiter an Fahrt. Die PDS brachte gestern die Möglichkeit eines zweiten Bürgerentscheids ins Gespräch. Falls es tatsächlich zu der Situation komme, dass die Unesco dem Dresdner Elbtal wegen des Großprojekts den Welterbestatus aberkennen wolle, sollten die Dresdner erneut entscheiden können, sagte Fraktionssprecher André Schollbach. „Noch ist es aber nicht so weit“, fügte er hinzu. Er forderte die Stadt auf, mit der Unesco Kontakt aufzunehmen.

Die CDU geht ebenfalls in die Offensive. Im Zweifelsfall sei die Brücke wichtiger als der Welterbe-Titel, sagte der Bauexperte Klaus-Dieter Rentsch, der dem Fraktionsvorstand angehört. Die Elbquerung sei von den Dresdnern mit breiter Mehrheit per Bürgerentscheid beschlossen worden. Daran solle nicht gerüttelt werden.

Die Grünen dagegen sehen den Welterbe-Titel auch als Wirtschaftsfaktor. „Reisen zu Betonbrücken gibt es jedenfalls nachweislich nicht – im Gegensatz zu Welterbe-Reisen, aus deren Programm Dresden bei Aberkennung des Titels schlicht gestrichen würde“, betonte Stadträtin Christiane Filius-Jehne, die auch Mitglied des Welterbe-Kuratoriums ist.

Das Rathaus bleibt unterdessen bei seiner Haltung. „Wir werden Daten nachliefern, wenn wir darum gebeten werden“, sagte Sprecher Kai Schulz. Die Unesco hatte in einem Brief an das Auswärtige Amt eine optische Darstellung der vierspurigen Brücke angemahnt. Baubeginn für das rund 150 Millionen-Euro-Projekt soll im März sein.